Du willst mit ETFs anfangen – und dann fällt dir das hier um die Ohren: MSCI World oder FTSE All-World? Foren streiten sich, YouTuber haben jeweils ihre Favoriten, und du sitzt da und überlegst, ob du gerade gleich am Anfang schon den ersten Fehler machst.
Die gute Nachricht zuerst: Beide ETFs sind eine gute Wahl. Du machst mit beiden nichts falsch. Die ehrliche Nachricht: Es gibt klare Unterschiede – und für deine Situation ist meistens einer der beiden die bessere Wahl.
In den nächsten 11 Minuten erfährst du, was beide Indizes wirklich enthalten, wie sie sich in den Kosten unterscheiden, ob du sie kombinieren solltest – und welcher zu dir passt. Falls du noch nicht weißt, was ein ETF überhaupt ist, fang am besten dort an.
Was steht hinter MSCI World und FTSE All-World?
Beide sind keine ETFs – sondern Indizes. Ein Index ist eine Liste von Aktien, zusammengestellt nach festen Regeln. Ein ETF kauft genau diese Aktien in der vorgegebenen Gewichtung und bildet damit den Index ab.
MSCI World wird vom amerikanischen Indexanbieter MSCI berechnet. Er existiert seit 1969 und ist der bekannteste Welt-Aktienindex weltweit. Was viele nicht wissen: „World“ meint nicht die ganze Welt, sondern nur die Industrieländer.
FTSE All-World kommt von FTSE Russell, einer Tochter der Londoner Börse. Er ist ein Konkurrenzprodukt zum MSCI World und MSCI ACWI – und enthält wirklich die komplette Welt: Industrie- und Schwellenländer in einem einzigen Index.
Ein Index ist nur ein Regelwerk: „Welche Aktien gehören dazu? Wie sind sie gewichtet?“ Ein ETF ist das Produkt, das du tatsächlich kaufst – ein Fonds, der den Index nachbildet. Auf einen Index können also mehrere ETFs von unterschiedlichen Anbietern laufen.
MSCI World im Detail – der Klassiker
Der MSCI World enthält aktuell rund 1.500 Aktien aus 23 Industrieländern. Die Liste liest sich wie ein Who’s Who der Weltwirtschaft: Apple, Microsoft, Nvidia, LVMH, Nestlé, Toyota, Novartis.
Die Gewichtung erfolgt nach Marktkapitalisierung – also nach Börsenwert. Je größer das Unternehmen, desto höher sein Anteil im Index. Das hat eine wichtige Konsequenz: Die USA dominieren mit rund 70 % Gewicht. Japan folgt mit etwa 6 %, Großbritannien mit 4 %, Frankreich mit 3 %. Deutschland kommt auf rund 2 %.
Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien oder Taiwan? Nicht enthalten. Der MSCI World bildet ausschließlich die sogenannten Developed Markets ab – wirtschaftlich reife Länder mit hoher Rechtssicherheit und liquiden Aktienmärkten.
Das ist kein Mangel, sondern eine bewusste Designentscheidung. Wer in den MSCI World investiert, kauft Stabilität – und nimmt dafür in Kauf, dass schnell wachsende Volkswirtschaften wie Indien oder Vietnam außen vor bleiben.
MSCI World: Die wichtigsten ETFs
| ETF | ISIN | TER | Typ |
|---|---|---|---|
| iShares Core MSCI World | IE00B4L5Y983 | 0,20 % | Thes. |
| Xtrackers MSCI World 1C | IE00BJ0KDQ92 | 0,19 % | Thes. |
| Amundi MSCI World | LU1681043599 | 0,12 % | Thes. |
FTSE All-World im Detail – die komplette Welt
Der FTSE All-World enthält rund 3.700 Aktien aus 49 Ländern. Damit ist er mehr als doppelt so breit gestreut wie der MSCI World – und der Unterschied steckt vor allem in einem Segment: den Schwellenländern.
Etwa 10 % des FTSE All-World stecken in Emerging Markets: China (~3 %), Indien (~2 %), Taiwan (~2 %), Südkorea, Brasilien, Mexiko und weitere. Diese 10 % sind der Hauptunterschied zwischen den beiden Indizes – alles andere ist sehr ähnlich.
Der USA-Anteil liegt im FTSE All-World bei etwa 60 % – also rund 10 Prozentpunkte niedriger als im MSCI World. Das passiert automatisch, weil Schwellenländer mit aufgenommen werden und die Gewichte sich neu verteilen.
Die mit Abstand bekannteste FTSE-All-World-Variante kommt von Vanguard. Der US-Anbieter hat das passive Investieren für Privatanleger praktisch erfunden – und ist heute der zweitgrößte Vermögensverwalter der Welt.
FTSE All-World: Die wichtigsten ETFs
| ETF | ISIN | TER | Typ |
|---|---|---|---|
| Vanguard FTSE All-World (Dist) | IE00B3RBWM25 | 0,22 % | Aussch. |
| Vanguard FTSE All-World (Acc) | IE00BK5BQT80 | 0,22 % | Thes. |
Der direkte Vergleich auf einen Blick
Hier hast du beide Indizes nebeneinander – mit den Kennzahlen, die wirklich zählen:
| Kriterium | MSCI World | FTSE All-World |
|---|---|---|
| Anzahl Aktien | ~1.500 | ~3.700 |
| Anzahl Länder | 23 | 49 |
| Emerging Markets | Nein | ~10 % |
| USA-Anteil | ~70 % | ~60 % |
| Günstigste TER | 0,12 % | 0,22 % |
| Anbieterauswahl | Groß (iShares, Amundi, Xtrackers…) | Klein (faktisch nur Vanguard) |
| Konzept | Industrieländer | Komplette Welt |
Alle Angaben ohne Gewähr. TERs und Indexdaten können sich ändern. Stand: Mai 2026.
Kann man MSCI World und FTSE All-World kombinieren?
Kurze Antwort: Nein, das ergibt keinen Sinn.
Der FTSE All-World ist faktisch ein erweiterter MSCI World – plus Schwellenländer. Über 90 % beider Indizes überschneiden sich. Wenn du beide ETFs kaufst, kaufst du die Industrieländer doppelt – und verwässerst gleichzeitig den Schwellenländer-Anteil, den der FTSE All-World eigentlich bringen soll.
Es gibt einen sinnvollen Kombi-Ansatz, der unter Privatanlegern beliebt ist: MSCI World + MSCI Emerging Markets im Verhältnis 70/30. Damit baust du dir selbst eine Art FTSE All-World nach – mit mehr Emerging-Markets-Gewicht als die ~10 % im FTSE All-World. Aber: Das ist komplizierter, rebalancing-pflichtig und macht für die meisten Einsteiger keinen Mehrwert.
Es gibt im Investment-Bereich einen einfachen Grundsatz: Was du nicht verstehst, machst du nicht. Zwei oder drei ETFs zu kombinieren mag nach cleverer Optimierung aussehen – in der Praxis bringt es minimale Renditeunterschiede und maximale Disziplin-Anforderungen. Ein einziger Welt-ETF ist für 95 % der Einsteiger die bessere Lösung.
Für wen ist welcher ETF besser?
Beide ETFs eignen sich für langfristigen Vermögensaufbau – aber sie sprechen unterschiedliche Anlegertypen an. Hier die ehrliche Einordnung:
MSCI World
Du willst die niedrigsten Kosten, akzeptierst die fehlenden Schwellenländer und schätzt die große Auswahl an Anbietern (iShares, Amundi, Xtrackers). Du glaubst, dass die Industrieländer auch in 20 Jahren die größten Renditequellen sind.
Kosten-optimierte Wahl mit großer ETF-Auswahl.
FTSE All-World
Du willst mit einem einzigen ETF die komplette Weltwirtschaft abdecken – inklusive der Wachstumschancen aus China, Indien und anderen Schwellenländern. Du nimmst die minimal höheren Kosten (rund 2 € pro 10.000 € pro Jahr) in Kauf für die maximale Streuung.
Beste „Ein-ETF-für-alles“-Lösung für Einsteiger.
Das Prinzip dahinter ist immer dasselbe: Eine breite Streuung senkt dein Risiko, ohne langfristig deine Rendite zu kosten. Ob 1.500 oder 3.700 Aktien – beides ist breit genug, um Einzelpleiten praktisch irrelevant zu machen.
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Vom Vergleich zum Sparplan
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Unsere ehrliche Empfehlung
Für Einsteiger empfehlen wir den FTSE All-World von Vanguard. Mit einem einzigen ETF deckst du Industrie- und Schwellenländer ab – ohne dich um Gewichtungen, Rebalancing oder zweite ETFs Gedanken machen zu müssen.
Der Aufpreis von 0,02 Prozentpunkten TER (0,22 % statt 0,20 %) entspricht bei 10.000 € Anlagesumme rund 2 € Mehrkosten pro Jahr. Das ist im Vergleich zur breiteren Streuung und der mentalen Einfachheit ein faires Tauschgeschäft.
Unsere Top-Wahl:
- Vanguard FTSE All-World (Dist): IE00B3RBWM25 – ausschüttend, gut für die Nutzung des Steuerfreibetrags von 1.000 €/Jahr.
- Vanguard FTSE All-World (Acc): IE00BK5BQT80 – thesaurierend, ideal für reinen langfristigen Vermögensaufbau mit voller Zinseszinswirkung.
- Alternative MSCI World: iShares Core MSCI World (IE00B4L5Y983) – wenn du bewusst auf Schwellenländer verzichtest und niedrigere TER willst.
Den vollständigen Marktüberblick mit S&P 500, MSCI ACWI und weiteren Alternativen findest du in unserem ausführlichen Artikel: die besten Welt-ETFs im Überblick.
Egal ob MSCI World oder FTSE All-World: Der größte Renditefehler ist nicht der „falsche“ ETF, sondern das Warten. Wer fünf Jahre lang grübelt, verliert mehr Rendite als jemand, der mit dem zweitbesten ETF sofort startet. Such dir einen aus, richte den Sparplan ein – und lass die Zeit für dich arbeiten.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen MSCI World und FTSE All-World?
Der MSCI World enthält rund 1.500 Aktien aus 23 Industrieländern – ohne Schwellenländer. Der FTSE All-World enthält rund 3.700 Aktien aus 49 Ländern, inklusive ca. 10 % Emerging Markets wie China, Indien und Taiwan. Der FTSE All-World ist breiter gestreut, der MSCI World minimal günstiger.
Welcher ETF ist besser für Einsteiger – MSCI World oder FTSE All-World?
Für Einsteiger empfehlen wir den FTSE All-World von Vanguard (ISIN IE00B3RBWM25 ausschüttend, IE00BK5BQT80 thesaurierend). Mit einem einzigen ETF deckst du Industrie- und Schwellenländer ab. Der minimal höhere TER von 0,22 % statt 0,20 % macht den Unterschied von rund 2 € pro 10.000 € Anlagesumme pro Jahr.
Kann ich MSCI World und FTSE All-World kombinieren?
Nein, das ergibt keinen Sinn. Der FTSE All-World enthält bereits alles, was im MSCI World steckt – plus zusätzlich Emerging Markets. Eine Kombination würde Industrieländer doppelt zählen und nur das Portfolio-Management verkomplizieren. Wähl entweder das eine oder das andere.
Welcher ETF hat die bessere historische Rendite?
In den letzten 10 Jahren hat der MSCI World minimal besser abgeschnitten – weil die USA und große Tech-Werte überdurchschnittlich gelaufen sind. Auf längere Sicht (20+ Jahre) sind die Renditen sehr ähnlich. Vergangene Renditen sind keine Garantie für die Zukunft.
Was bedeutet Emerging Markets im FTSE All-World genau?
Schwellenländer sind Volkswirtschaften im Aufholprozess: China, Indien, Taiwan, Südkorea, Brasilien, Mexiko und weitere. Im FTSE All-World machen sie etwa 10 % aus. Sie wachsen oft schneller als Industrieländer, schwanken aber auch stärker und tragen politische Risiken.
Sind beide ETFs bei deutschen Brokern sparplanfähig?
Ja, sowohl der iShares Core MSCI World (IE00B4L5Y983) als auch der Vanguard FTSE All-World (IE00B3RBWM25 bzw. IE00BK5BQT80) sind bei allen großen deutschen Brokern – Trade Republic, Scalable Capital, ING, Comdirect und DKB – als kostenloser Sparplan ab 1 € verfügbar.
